Kubaturberechnung: Rechner, Formeln und Anleitung Schritt für Schritt
Versicherung, Heizungsplanung, Architektenhonorar: wer das Volumen seines Hauses braucht, kommt um die Kubaturberechnung nicht herum. Die Berechnung liefert genau diese Zahl. Sie ergibt das Gesamtvolumen eines Gebäudes in Kubikmetern, gemessen an den Außenmaßen von der Bodenplatte bis zur Dacheindeckung. Gebäudeversicherungen berechnen den Ersatzwert auf dieser Grundlage, Architekten leiten ihr Honorar nach HOAI daraus ab, und Heizungsplaner nutzen den BRI als Eingangsgröße für die Heizlastermittlung.
Bauphysiker greifen für den Schallschutznachweis nach DIN 4109 ebenfalls auf die Volumen- und Geschossangaben zurück.
Diese Seite bietet einen kostenlosen Rechner für alle gängigen Dachformen sowie eine vollständige Erklärung aller Formeln mit Rechenbeispiel. Für Bauanträge oder Versicherungsverträge mit Unterschriftspflicht bleibt der Gang zum Architekten oder Sachverständigen notwendig. Wie sich die Kubatur vom Begriff Bruttogrundfläche unterscheidet, erklärt der Vergleich von DIN 277 und WoFlV.
Was brauche ich für die Berechnung?
Für eine vollständige Kubaturberechnung nach DIN 277 sind fünf Maßangaben notwendig. Alle Werte beziehen sich auf das fertige Gebäude im Außenmaß, also inklusive Putz und Wärmedämmung.
- Außenmaße des Gebäudes: Länge und Breite im Rohbaumaß plus Außenputz
- Traufhöhe: Wandhöhe von Oberkante Bodenplatte bis zum Dachansatz
- Firsthöhe: Abstand von Oberkante Bodenplatte bis zum höchsten Punkt des Dachs
- Dachform: Sattel, Walm, Pult, Flach, Mansard oder Zelt, jede hat eine eigene Formel
- Kellermaße: Grundfläche und Höhe des Kellers, falls vorhanden
Fehlen aktuelle Baupläne, hilft ein Aufmaß direkt am Gebäude. Eine Schritt für Schritt Anleitung dazu finden Sie auf der Seite zum Aufmaß. Ein Laserdistanzmessgerät liefert dabei eine Genauigkeit von plus minus einem Millimeter auf zehn Meter, was für einen verlässlichen Richtwert vollständig ausreicht.
Grundformel: Bruttorauminhalt (BRI)
Der Bruttorauminhalt setzt sich aus den Volumina aller Bauteile zusammen. Für ein typisches Einfamilienhaus mit Keller gilt folgende Gliederung:
BRI = Volumen Untergeschoss + Volumen Erdgeschoss + Volumen Obergeschoss + Volumen Dachkörper
Alle Teilvolumina in m³, Maße stets im Außenmaß
Jeder rechteckige Baukörper (Keller, Erdgeschoss und Obergeschoss) wird mit der einfachen Formel berechnet:
Volumen Quader = Länge × Breite × Höhe
Der Dachkörper wird je nach Dachform separat hinzugerechnet. Beim Satteldach gilt:
Volumen Satteldach = Länge × Breite × (Firsthöhe minus Traufhöhe) × 0,5
Der Faktor 0,5 ergibt sich aus dem Dreiecksprofil des Satteldachs. Beim Walmdach fehlt das Giebelvolumen an beiden Schmalseiten, als Näherungsformel gilt der Satteldachwert multipliziert mit dem Faktor 0,85.
Beim Flachdach gibt es keinen zusätzlichen Dachkörper. Eingerechnet wird nur die Attika, also die Brüstung oberhalb der Dachfläche, multipliziert mit der Grundfläche.
Dachformen und ihre Formeln
Die Dachform bestimmt, wie viel Volumen zum Quader des Hauptbaukörpers hinzukommt. GF steht für Grundfläche, H_First für die Dachhöhe über der Traufe.
| Dachform | Formel Dachkörper | Anmerkung |
|---|---|---|
| Satteldach | GF × H_First × 0,5 | Symmetrisches Dreiecksprofil |
| Walmdach | Sattelformel × 0,85 | Näherung; exakt per Trapezteilung |
| Pultdach | GF × (H_oben minus H_unten) × 0,5 | Einseitig geneigt, Dreiecksprofil |
| Flachdach | GF × H_Attika | Nur Attikabrüstung zählt |
| Mansarddach | Unteres Trapez + Satteldach oben | Zweistufige Berechnung |
| Zeltdach | GF × H × 0,33 | Vierseitige Pyramide, Faktor 1/3 |
H_First = Firsthöhe über Traufe. GF = Grundfläche des Dachs im Außenmaß. Alle Werte in Metern, Ergebnis in m³.
Vollständiges Rechenbeispiel: freistehendes Einfamilienhaus
Das folgende Beispiel zeigt ein freistehendes Einfamilienhaus mit zwei Vollgeschossen und Satteldach, ohne Keller. Alle Maße sind Außenmaße.
Gebäudedaten
- Außenmaß: 12,0 m × 9,0 m
- Erdgeschoss plus Obergeschoss (Traufhöhe gesamt): 6,0 m
- Firsthöhe über Traufe (Dachhöhe): 3,5 m
- Dachform: Satteldach
- Keller: keiner
| Bauteil | Formel | Ergebnis |
|---|---|---|
| Quader EG plus OG | 12,0 × 9,0 × 6,0 | 648,0 m³ |
| Satteldachkörper | 12,0 × 9,0 × 3,5 × 0,5 | 189,0 m³ |
| Gesamt BRI | Summe aller Teilvolumina | 837,0 m³ |
Kellerergänzung: Hätte das Gebäude einen Vollkeller mit 2,5 m Höhe, kämen weitere 12,0 × 9,0 × 2,5 = 270,0 m³ hinzu. Der Gesamt BRI läge dann bei 1.107,0 m³.
Wofür Sie das Ergebnis verwenden können
Der BRI ist in drei Bereichen besonders oft gefragt:
Gebäudeversicherung
Viele Wohngebäudeversicherungen kalkulieren: BRI × Herstellungswert je m³ = Versicherungssumme. Typische Richtwerte liegen je nach Baujahr und Ausstattung zwischen 400 und 700 EUR je m³. Mit dem BRI prüfen Sie, ob Ihre bestehende Versicherungssumme realistisch ist.
Heizlastberechnung
Heizungsplaner nutzen den BRI als erste Orientierung. Ein gut gedämmtes Gebäude nach heutigem Standard benötigt grob 15 bis 30 Watt je m³ Gebäudevolumen. Multiplizieren Sie den BRI mit diesem Richtwert, um den ungefähren Heizleistungsbedarf in Kilowatt abzuleiten.
Beim Neubau gehört zudem der Wärmeschutznachweis als GEG Pflicht dazu. Den präzisen Wert liefert die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, die Wand für Wand und Raum für Raum rechnet.
Baukostenschätzung
Für grobe Neubaukostenschätzungen werden je nach Region und Ausstattung 400 bis 600 EUR je m³ BRI angesetzt. Multipliziert mit dem Rechnerergebnis ergibt das eine erste Kostenindikation für Machbarkeitsstudien.
Baumassenzahl (BMZ): BRI geteilt durch die Grundstücksfläche. Bei 500 m² Grundstück und 837 m³ BRI ergibt das 837 / 500 = 1,67. Der Bebauungsplan legt die zulässige BMZ fest.
Besonderheiten bei der Kubaturberechnung
Balkone und Loggien
Offene Balkone werden nach DIN 277 nicht in die Kubatur eingerechnet. Sie sind kein geschlossener Baukörper und gehören damit nicht zum Bruttorauminhalt des Hauptgebäudes.
Überdachte Loggien werden je nach Ausführung teilweise berücksichtigt. Erker hingegen werden vollständig eingerechnet, sofern sie geschlossen und beheizt sind. Bei Unsicherheit gilt: Jeder Bauteil, der allseitig geschlossen und mit dem beheizten Hauptgebäude verbunden ist, gehört zur Kubatur.
Anbauten und Garagen
Eine angebaute Garage wird separat berechnet und dann zum Gesamt BRI addiert. Ein Carport zählt normalerweise nicht zur Kubatur, weil er nicht allseitig geschlossen ist. Ein Wintergarten fließt ein, wenn er vollständig verglast, geschlossen und an das Heizsystem angeschlossen ist.
Bei winkelförmigen Grundrissen teilen Sie das Gebäude gedanklich in zwei Rechtecke, berechnen jeden Teil separat und addieren die Ergebnisse. Achten Sie darauf, dass Überschneidungsbereiche nicht doppelt gezählt werden.
Keller
Ein Vollkeller wird vollständig in die Kubatur eingerechnet. Die Kellerhöhe misst sich von Oberkante Bodenplatte bis Unterkante Erdgeschossdecke. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Keller beheizt ist oder nicht. Bei einem Teilkeller bezieht sich die Berechnung nur auf die betroffene Grundfläche.
Kubatur schätzen: Schnellmethode
Wenn keine Baupläne vorliegen und eine grobe Einschätzung ausreicht, lässt sich die Kubatur aus der bekannten Wohnfläche ableiten. Diese Methode ist ausdrücklich nur für Richtwerte geeignet und darf nicht für Versicherungsverträge verwendet werden.
| Gebäudetyp | Faktor | Beispiel bei 150 m² Wohnfläche |
|---|---|---|
| EFH mit Satteldach (ohne Keller) | 5,5 bis 6,5 | 825 bis 975 m³ |
| EFH mit Satteldach und Keller | 7,0 bis 8,5 | 1.050 bis 1.275 m³ |
| Eigentumswohnung im Mehrfamilienhaus | 3,5 bis 4,5 | 525 bis 675 m³ |
Wer die Kubatur für eine Wertermittlung oder Abschreibungsberechnung nutzt, findet bei Restnutzungsdauer nach Gebäudetyp einen direkten Anschluss für die Einordnung je nach Bauart.
Wann rechnet sich ein Profi für die Berechnung?
Die Selbstberechnung mit dem Rechner reicht in den meisten Fällen für eine erste Orientierung aus. Sobald die Kubatur jedoch in einen Vertrag fließt, macht Sinn ein zweiter Blick durch eine Fachkraft. Ein Architekt, Bauingenieur oder zertifizierter Sachverständiger erkennt versteckte Volumen wie geschlossene Dachgauben, ausgebaute Spitzböden oder zurückgesetzte Geschosse, die eine Eigenberechnung leicht übersieht.
Bei diesen drei Anlässen rechnet sich der externe Aufwand: Erstens die Anpassung einer Wohngebäudeversicherung nach Sanierung oder Ausbau. Zweitens die Erstellung eines Verkehrswertgutachtens, weil dort die Kubatur oft Bestandteil der Bewertungsmethodik ist. Drittens die Bauantragsphase, in der die Baumassenzahl gegenüber der Genehmigungsbehörde nachgewiesen werden muss.
Ein professionelles Aufmaß mit anschließender Kubaturberechnung kostet typischerweise zwischen 400 und 1.200 Euro. Bei einem Einfamilienhaus mit klarer Geometrie liegen die Kosten am unteren Ende, bei einem verschachtelten Bestandsbau mit mehreren Anbauten am oberen Ende.
Häufige Fehler bei der Kubaturberechnung
Innenmaße statt Außenmaße
Bei einem Einfamilienhaus mit 25 cm starken Außenwänden beträgt die Differenz je Seite 25 cm. Das führt zu einer Grundfläche von rund 10 Prozent weniger, bei 800 m³ BRI sind das 80 m³ Differenz.
Dachform falsch angesetzt
Ein Walmdach mit der Satteldachformel zu berechnen überschätzt das Dachvolumen um rund 15 Prozent. Bei Mansarddächern oder Zeltdächern ist die Abweichung noch größer.
Keller vergessen
Bei einem Vollkeller fehlen schnell 200 bis 350 m³ im Ergebnis. Das kann zu einer erheblichen Unterversicherung führen, wenn der BRI als Basis für den Versicherungswert dient.
Firsthöhe ab Boden statt ab Traufe
Die Dachhöhe im Rechner bezieht sich auf die reine Dachhöhe ab Traufe, nicht auf die Gesamthöhe ab Gelände. Wer die Gesamthöhe eingibt und gleichzeitig eine Traufhöhe angibt, rechnet das Dachvolumen doppelt.